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Johannesburg                               
 

Abschied in Johannesburg

Über Zentralafrika tobt ein Gewitter, aber das war bei den Flügen schon häufiger der Fall. Die Maschine ist nicht voll besetzt, der Sitz neben mir ist frei. Immer wieder sackt die Maschine ab, eine junge deutsche Frau voller Panik: Das überlebe ich nicht!
Ich schliesse die Augen.
Es war und es ist schon ein gutes Gefühl trotz, oder gerade weil ich mit einem Menschen zusammenlebe, das eigene Leben und eigene Freundschaften nach all den Jahren noch spüren zu können. Eine kleine Welt abseits der üblich sehr gefärbten Bilder einer Freundschaft.
Du fliegst nach Johannesburg zu einer Frau trotz deiner Beziehung? -war die neugierige Frage und gleichzeitig: Ist diese Frau weiss oder eine Negerin? Da trennen sich die Welten zwischen schlüpfriger Phantasie und der Freude auf die erste liebevolle Umarmung in Johannesburg.

...... Tage in Johannesburg, die Rückfahrt zum Flughafen. Cindy wie unter Drogen, fast apathisch festgezurrt in ihren Gedanken...

Eine leiser, wartender Mut in ihren Gedanken, wenn wir alleine sind. Ich weiss, sagt sie später im Restaurant des Hotels, wir müssen noch soviel reden, ich werde morgen kommen, wir müssen noch Zeit haben, bis du abfliegst. Sie weint, aber nur ein wenig, dann will sie zurück. Ich komme, sagt sie, und es bleibt ein Gefühl der Hoffnung. Sie fährt zurück.

Bilder....Wir fahren zum See, irgendwo zwischen Johannesburg und Pretoria. Ein altes, steinernes Tor aus längst vergangenen Zeiten mit einer roten Ampel davor. Die Ampel wird grün. Wir halten an einem kleinen Restaurant, der Wagen so gestellt, dass er anspringt, wenn wir abwärts rollen. Der Anlasser ist defekt. Sie ist an meiner Seite, trinkt mexikanisches Bier. Reden müssen wir, sagt sie und schweigt. Sehe es positiv, sagt sie, wir müssen es positiv sehen. Die Kinder in unserem Heim müssen es jeden Tag so sehen, aber sie können nicht mehr entscheiden zwischen Positiv und Leben. Ich auch nicht mehr.. bin jetzt auch zwischen den Welten, sagt sie laut und klammert sich an mir fest. Ihr Lächeln weint und sie lehnt sich zurück. Sie wird stumm.

Das Hotel ist mir fremd. Luxus allenthalben, Gäste auf der Durchreise. Mein Zimmer komfortabel und gesichert gegen unerwünschte Gäste. Nachmittags läutet das Telefon. Ich nehme ab, doch es meldet sich niemand. Tage des Wartens und einer kleiner werdenden Hoffnung. Unten in der Halle trinke ich an der Bar meinen Kaffee, schaue auf den Eingang. What's your business? dröhnt die Stimme neben mir. Immer dieselben Fragen der geschäftigen Leute, die ihre Waren und Dienstleistungen in Johannesburg verhökern wollen. Ich antworte nicht, bin dieser Sprache nicht mächtig. Manche schwarzen Frauen werden Mommy genannt, andere von männlichen Gästen mit den Augen verschlungen. Eine neue Form der Apartheid geht es mir durch den Sinn.

Nur noch dieser Abend denke ich vor dem Abend des Abfluges. Das Geld ist sehr knapp geworden und die Hoffnung lebt noch. Wir müssen noch viel miteinander reden... Ziellos laufe ich umher, trinke ein Bier an der Bar, setze mich in die Eingangshalle. Gedanken und Bilder tauchen auf und immerwieder Fragen ohne Antworten. Selbst kann ich sie mir nicht geben, stoße fortwährend an die Grenze dieser banalen Frage des Warum. Bin hier unter Menschen, aber in einer anderen Welt. Die rote Farbe der Erde, flüchtige, vertraute Momente im Park, die Stille in der Dämmerung, wir teilen uns die letzte Zigarette, sprechen über unsere kleine versteckte Heimat Vancouver in Canada am anderen Ende der Welt, die Eichhörnchen im Stanley Parc... Farben und Hoffnungen des Frühlings...Zwischen den Farben Abschied nehmen...

- Do you feel well? fragt mich eine Stimme in der Nähe. Die Fragmente der Bilder verblassen, ich schaue die Frau an. Mein Lächeln ist mir fremd in diesem Augenblick. Sie antwortet. Dunkle warme Augen in einem dunklen Gesicht, das Wärme ausstrahlt......
Momente des Schweigens und kurzer Blicke. Sie scheint viele Menschen hier zu kennen. Vielleicht eine Hotelangestellte gebe ich mir als Erklärung und nicht als Antwort. Ich frage nicht.
Dann steht sie auf und kehrt nach wenigen Minuten zurück. Wieder dieses liebevolle Lächeln.
Wenig später gehe ich in mein Hotelzimmer und beginne den Koffer zu packen. Nein, keine Gedanken jetzt.
Es klopft an der Tür. Ich öffene die Tür und und das warme Lächeln ist sehr nahe. Sie fragt, ob sie hineinkommen dürfe.

Die Welt der Bilder und Gedanken verschwindet urplötzlich, als sie mir ihre Liebesdienste anbietet. Sprachlosigkeit in meinem Blick. Für einen Moment stirbt ihr Lächeln und ihre Augen verschwimmen zwischen Enttäuschung und Erschrecken bei dem Wort NO.
Im gleichen Moment tut mir dieses so kalt und distanzierende NO leid.
Sie wirkt unschlüssig, und ich biete ihr den Platz an dem kleinen Schreibtisch an.

Bin erst seit wenigen Wochen in Johannesburg....beginnt sie das Gespräch.
Kapstadt der Ort der Kindheit, der bescheidene Wohlstand der Eltern in Athlone, ihr Weg in die Welt der Weissen. Jahrelang sei sie die Geliebte eines Engländers gewesen, immer mit der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft trotz all der Realität unausgesprochener südafrikanischer Lebensgrundsätze. Sie erzählt von der Geburt ihres Sohnes und ihr Lächeln nimmt wieder Wärme an. Sie schweigt über das Ende in Kapstadt und erzählt von Soweto, ihrer neuen Heimat. Immer wieder unterbricht sie ihre Erzählungen mit der Frage: Do you believe me?

Dann lachen wir über die Touristen am Kap der Guten Hoffnung und über die Baboons. Wie geschickt sie die Touristen bestehlen und sich aus dem Staub machen. Viele Weisse sind nicht anders als die Baboons, sage ich. Sie lauern auch oft an der Strasse des Lebens und bestehlen die Schwarzen. Die Baboons werden aber erschossen, wenn sie lernen, die Touristen zu bestehlen entgegnet sie. Das ist der Unterschied.
Ich bestehle die Weissen nicht, sagt sie dann. Sie bekommen etwas von mir und ich deren Geld. Wir mussten immer die Weissen achten, egal was sie von uns verlangt haben. Ihr Studium habe sie abgeschlossen fährt sie fort, aber einen Job habe sie nicht bekommen, die waren für die Weissen.

Nacht in Johannesburg. Sie habe keine Möglichkeit mit dem Public Transport nach Soweto zu kommen.Sie fragt, ob sie die Nacht auf dem Sessel verbringen dürfe. Unsicherheit auf beiden Seiten, aber das ehrliche Gespräch hat schon die Antwort gegeben.Ich gebe ihr einen Pyjama von mir, und sie nimmt ein Bad. Als sie wieder ins Zimmer kommt ist sie ungeschminkt. Der Sessel reiche ihr und wie ein Embryo wickelt sie sich in die Bettdecke ein.

Wenig später ist es dunkel und ruhig im Zimmer und ich schlafe in meinem Bett ein.

Am frühen Morgen wache ich auf. Sie ist weg. Wirre Gedanken gehen mir durch den Kopf, Bilder werden farbig und verblassen durch das nächste Bild.

Unten in der Halle sitzt sie auf ihrem Platz. Gehe ich auf sie zu? Unsicherheit, aber was schert mich das weisse Denken mache ich mir Mut.

Von weitem lächelt sie, ich gehe auf sie zu und umarme sie. Zum Frühstück lade ich sie in das Restaurant ein. Ein Platz zwischen den Weissen, die uns mürrisch und abschätzend anschauen. Dann bemerke ich es. Die schwarzen Frauen, die bedienen, lächeln uns an. Ein aufrichtiges Lächeln mit warmen Augen aus dunklen Gesichtern.

Abschiede sind mir immer schwer gefallen, oftmals waren mir diese Empfindungen im Wege, weil der zukünftige Weg undeutlich und unsicher war. Ist es Tapferkeit, ein verinnerlichtes Ritual, dieser Augenblick formeller Gesten im Moment des Abschiedes.

Sie lächelt nicht, kennt sich aus mit Abschied. God bless you, sagt sie, umarmt mich und dreht sich um und geht.

Nach dem Start zieht das Flugzeug eine Schleife über Johannesburg. Die Lichter einer Stadt, verschwommene Konturen von Strassen und Häusern. Ich schaue aus dem Fenster, neben mir eine Familie. Das Kind noch ein Baby auf dem Arm der Mutter. Eine Familie mit warmen Augen in dunklen Gesichtern. Peter erzählt später von der Missgunst der Weissen, wenn Black People es zu einem Wohlstand bringen.

Die Lichter von Johannesburg verblassen, ich sehe sie nicht mehr. Das Flugzeug hat abgedreht.

Ich schliesse die Augen und spüre das warme Lächeln....

Die Farben verschwimmen...

- Abschied in Johannesburg -
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For of all sad words of tongue or pen, the saddest are these:
" It might have been! "
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Welcome to Jo'burg ! Willkommen in Johannesburg !

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