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Frauen in Kapstadt

- Abschied von Kapstadt -

Der Parkplatz am Strand von Fish Hoek ist leicht zu erreichen. Touristen am Strand, und ich warte auf Silvia. Sie hat versprochen zu kommen und ich weiss, ich werde nicht umsonst warten. Dann sehe ich sie am Strandrestaurant. Klein und unscheinbar wirkt sie, mit ihrem kleinen Sohn an der Hand. Ich gehe ihr entgegen und wieder dieses warme, nicht für uns erklärliche Lächeln zur Begrüssung.
Das ist Michael, sagt sie, und erst einige Augenblicke später bemerke ich, es war die deutsche Ausprache für den Namen - Michael - . Ein kleiner Knuddel, mit einer Stuppsnase und recht heller Hautfarbe, der lieb seiner Mutter folgt, als wir zum Strand gehen.
Sie spürt, dass es mir schwer fällt, ein Gespräch zu beginnen.
- Nein -, sagt sie, sie hasse die Deutschen nicht, es war einfach nur jemand, der sich fortgestohlen hat.

In Kapstadt habe sie eine Ausbildung begonnen, um dann im Tourismusgeschäft eine Anstellung zu bekommen. Für diese Ausbildung habe sie alle Anstrengungen unternommen. Aber -wofür- fragt sie mich unvermittelt. Einige Weisse sind zum Unterricht kaum erschienen, haben ihr Zeugnis bekommen und die Stellen. Sie habe keine Anstellung erhalten.
Nein, sie erzählt nicht mit dieser Bestimmtheit der weissen Lebensweise, sie bittet um Glauben für ihre Lebensgeschichte. Einen Deutschen habe sie in Kapstadt kennengelernt, der ihr viele Versprechungen gemacht und von Zukunft gesprochen habe. Dann sei er aus ihrem Leben so plötzlich verschwunden. Eine Anschrift habe sie nicht, es sei auch besser so.

Michael spielt im Sand. Dann läuft er auf mich zu und zeigt auf den Ozean. Nicht weit von hier seien die Wale. Immer würden sie mit ihren Babies kommen. Jedes Jahr. Dann läuft er weiter und spielt mit einem angeschwemmten Tau.

Sie sei froh, ihre Familie in der Nähe zu haben, sagt Silvia. Ohne ihre Familie wäre es nicht zu schaffen gewesen. Kapstadt sei eine schwere Zeit für sie gewesen und sie wolle auch nicht mehr in diese Stadt zurück. Sie plane nach Johannesburg oder Durban zu gehen, um Abstand zu bekommen. Dort habe sie Verwandte.
Sie fragt mich, was ich mit Kapstadt verbinde. Ich erzähle von Stränden, von Waterfront, doch sie unterbricht mich. Sie habe es nie verstanden, weshalb für uns Europäer Waterfront so faszinierend sei. Schliesslich könne man sich doch nur einmal sattessen.
- Und nachher sind sie alle wieder schnell weg, sagt sie bitter. -
Wir schweigen und schauen auf das Meer.

Gestern habe ihr eine Freundin erzählt, das Mädchen sei erst drei Monate alt und es sei von ihrem Stiefvater missbraucht. Drei Monate erst, und es kümmert sich niemand darum. Das sei so in den Siedlungen. Ihre Freundin arbeite für eine kleine Hilfsorganisation und versuche bei passenden Gelegenheiten Geld zu sammeln, aber kaum jemand würde etwas geben.

Waterfront, sagt sie bitter, dort erst recht nicht....

Dann gehen wir zum Restaurant am Strand. Eine japanische Reisegruppe macht Fotos vom Indischen Ozean und ist in Windeseile wieder verschwunden.
Michael ist vertieft in sein Eis.
Nein, ich traue mich nicht über Deutschland zu reden, es wäre unpassend.

Kein leichter Abschied von Silvia und Michael. Ich spüre es auf der Rückfahrt.
Kapstadt wirkt ruhig und friedlich.....


Südafrika ... kann auch bedeuten:

Ein Land der Begegnung und des Nachdenkens.

"A place is nothing, not even space,
unless at its heart a figure stands"
( Amy Lowell )

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