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L    ege



 


- Der Mann aus Athlone -

Ein Einkaufszentrum inmitten Kapstadts. Es wirkt harmonischer, als die vielen Konsumtempel hier in Deutschland, obwohl die Zielsetzung dieselbe sein mag. Kleine Geschäfte in der Passage und es findet sich alles, was das Herz begehren mag.
Es ist Dezember in Kapstadt, der Himmel strahlend blau, sehr angenehme Temperaturen und im Einkaufszentrum ist ein Weihnachtsbaum aufgestellt. Gross, bunt, mit vielen Lichtern, doch es passt nicht zu meinem Empfinden einer Weihnachtszeit. In Kapstadt ist Frühling.

Das kleine Cafe im Einkaufszentrum ist heimelig, und ich bestelle einen Kaffee. Mit Paul bin ich um elf Uhr verabredet.

Eine junge Bedienung bringt mir den Kaffee und verheddert sich an den Tischbeinen. Nun gut, ich trage eine alte Jeans und der Kaffee sollte bei der nächsten Wäsche nicht mehr zu sehen sein. Sie ist völlig konsterniert, versucht mit hochrotem Kopf fortwährend, sich zu entschuldigen. Ein Lächeln hilft und ich erzähle ihr einfach, wie lang der Flug von Deutschland gewesen sei, und der verschüttete Kaffe sei doch nun wirklich ein geringes Problem. Als sie das Wort 'Germany' hört, strahlt sie mich an und erzählt, sie habe vor langen Jahren eine Brieffreundin in Deutschland gehabt, doch leider sei der Kontakt eingeschlafen. Nun sei sie verheiratet, ihr Mann arbeitslos und sie sei froh, diese Arbeitsstelle zu haben. Die Welt werde halt kleiner, sagt sie verschmitzt.

Dann kommt Paul. Ein unscheinbarer, kleiner Mann aus Athlone mit hellwachen Augen. Er erzählt, er baue gerade sein Haus um, damit die Kinder ihren eigenen Raum bekommen. Der älteste Sohn studiere, und es sei schon schwierig, die finanziellen Mittel dafür aufzubringen.

Er könne mir viel zu den Townships sagen. Langsam redet er und mit Bedacht.

Es sei so falsch, sagt er, nur die Menschen dort versorgen zu wollen. Dies seien sie gewöhnt, und es würde alles nur noch schlimmer machen. Was diese Sozialarbeit solle, die sich rührend um die Kinder bemühe, aber dabei vergesse, dass die Mütter und besonders die Väter noch mehr von ihrer Verantwortung abgeben. Ob es nicht bequem sei, fragt er mich, wenn Mütter ihre Kinder in der Frühe abgeben können, sich um nichts mehr kümmern müssen und die Väter sich zum Alkohol fortstehlen. Hier fehle eine konsequente Arbeit, und es fehlen die Regeln dazu. Wenn ein Kind schon ein Frühstück von einer Hilfsorganisation bekomme, dann doch nur, wenn die Mutter sich beteilige, ansonsten solle es nichts bekommen. Ich erschrecke bei dieser klaren Konsequenz, aber gebe mir zu, er hat recht.

Touristen lieben doch all diesen Kitsch, den sie an den Strassenrändern kaufen können, erklärt er. Meistens seien es nicht Südafrikaner, die dort verkaufen, sondern Menschen aus nördlich gelegenen Ländern. Er verstehe nicht, warum es nicht bessere Arbeitsmöglichkeiten gerade für die Benachteiligten gebe, schliesslich sei die Kunst der einzelnen Bevölkerungsgruppen doch so farbenfroh in diesem tristen Grau des Alltäglichen, und auch handwerklich seien sie recht geschickt.
Vielleicht alles nur eine Hoffnung, sagt er nachdenklich und schaut auf den geschmückten Weihnachtsbaum...


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If you treat an individual... as if he were what he ought to be
and could be, he will become what he ought to be and could be.

Kapstadt ... kann auch bedeuten:

Ein Ort der Einkehr, der Begegnung und des Nachdenkens.

Welcome to Cape Town ! Willkommen in Kapstadt !

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