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L  ege



 


Jilldene


Tränen für Caspar...

Die Fahrt vom Bloubergstrand zum Melkbosstrand dauert nicht sehr lang. Auf der Fahrt begegnet uns der Fortschritt allenthalben. Kräne sind aufgestellt, um neue Flächen zu betonieren. Der Strand gäbe einen atemberaubenden Blick auf den Tafelberg und Kapstadt, sagt man. Einfältige Tourismusphrasen, denke ich und schaue auf die Hochhäuser am Strand. Überall neue Wohnungen für Touristen. Niemand da, der die Natur beschützt.

Wir erreichen Melbosstrand, parken unser Auto und gehen zum Strand. Anscheinend kein Ort für Weisse. In einiger Entfernung sehen wir das Atomkraftwerk Koeberg. Es versorgt die Region mit Strom. Auf einer Karte ist diese Errungenschaft moderner Technik als Reservat ausgezeichnet.

Melkbosstrand... Familien sitzen auf dem Rasen und grillen, die Kinder tollen unbeschwert umher. Es ist elf Uhr vormittags, und viele Strandbesucher trinken ihr Bier. Erschrocken bin ich über die vom Alkohol gezeichnete Gesichter.
Wenig später finden wir Jilldene. Verschämt lässt sie ihre Bierflasche verschwinden und ist misstrauisch. Warum seid ihr nicht am Bloubergstrand, fragt sie. Dort sind die Weissen.

Einmal im Monat komme sie hier hin zum Melkbosstrand. Einmal im Monat habe sie zwei Tage frei, ansonsten müsse sie regelmässig zwölf Stunden arbeiten. Es sei alles leichter zu ertragen, wenn sie am Morgen schon eine Flasche Bier trinke. Aber sie tue es nur einmal im Monat.

Caspar, sagt sie, Caspar der Esel habe die Familie damals in der Karoo immer von einer Farm zur anderen gebracht. Der Vater habe als Landarbeiter gearbeitet. Dann sei er gestorben, und sie sei mit ihrer Mutter, dem jungen Bruder und Caspar weiter durch die Karoo gezogen. Vor sechs Monaten seien sie dann nach Kapstadt gegangen.
Tränen in ihren Augen und sie vermisse ihren Vater so sehr. Dreihundert Rand bekomme sie für ihre Arbeit in einer Familie. Ein eigenes Zimmer habe sie nicht, und sie müsse bei der jüngsten Tochter übernachten. Einmal im Monat weine sie mit der Mutter. Der Vater fehle so sehr, und sie bezahle von ihren dreihundert Rand die Krankenversicherung der Mutter.

Caspar sagt sie wieder, den vermisse sie besonders, und dann rollen ihr die Tränen die Wangen hinunter.

In Kapstadt sei sie einmal in ein Gay Lokal geraten, habe gedacht, es sei eine Diskothek und sei fürchterlich beschimpft und ausgelacht worden.

- I learned it in Cape Town -

Nein, sagt sie, ich bin lieber für mich allein und suche mir einen Platz abseits, wenn ich einmal im Monat frei habe. Freunde kann ich doch nicht finden, wenn ich immer arbeiten muss, erklärt sie.

Der Abschied fällt schwer, sie geht zum Strand zurück, ohne sich nochmals umzudrehen.

Jilldene - eine junge Frau, verloren in Kapstadt.

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It takes so little to make people happy. Just a touch, if we know how to give...

Kapstadt ... kann auch bedeuten:

Ein Ort der Einkehr, der Begegnung und des Nachdenkens.

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